Winterfahrtraining Finnland

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Lappland…… unendliche Weiten… wir schreiben den Februar 2012….. dies ist der abenteuerliche
Bericht eines kleinen, dicken Administratoren-Zwergs aus dem Mitsubishi Fan
Forum, der mit einer bescheidenen Kameraausrüstung und 20 Kilo Reisegepäck 4 Tage
lang unterwegs war, um neue Länder zu erforschen, andere Völker kennen zu lernen,
einzigartige Grenzen auszutesten…… und….. um endlich richtig Auto fahren zu lernen !!
Mehrere tausend Kilometer von zu Hause entfernt, stellte er sich dabei mutig extremen
Temperaturen, wahnsinnigen Fliehkräften und unterdrückten Ängsten… also lest diesen
ellenlangen Bericht gefälligst auch zu Ende. Er ist extra für euch entstanden, die ihr alle
leider nicht dabei sein konntet.

Aber eigentlich müssen wir viel früher mit dem Reisebericht beginnen. Bereits im Januar
schien es, als wollten die deutschen Wetterdienste mir einen Vorgeschmack davon verschaffen,
was mich einen Monat später im finnischen Norden erwarten sollte. Es war der
kälteste Winter seit einigen Jahren in Deutschland. Unweit meiner Heimatstadt wurden in
mehreren Nächten Tiefstwerte von minus 22°C und mehr erreicht. Das Ganze ging so
weit, das mein 12 Jahre alter, treuer Galant an mehreren Tagen bockte, so als wisse er
bereits, dass ich Ende Februar „fremdgehen“ werde. Wenn ich sonst mal ein Auto übers
Wochenende vom Autohaus bekam, so nahm er mir das nicht krumm, weil er wusste,
dass es nichts von Dauer ist…… Aber für meine ersten eigenen Fahrerfahrungen in einem
schicken Lancer Evolution würde ich nun gleich mal 2000 km weit weg fliegen – das war
zu viel für ihn…. So gerieten wir beide Ende Januar in eine mittelschwere Beziehungskrise,
bei der er mir sehr hartnäckig mehrere Tage den sonst so treuen Dienst versagte.

Ich schätze ich habe mich auf die Reise in etwa genauso vorbereitet, wie jeder andere
normale Mensch, der seit 20 Jahren in keinem Flugzeug mehr saß und noch nie am
Polarkreis war.
Also,…. Typische Anfängerfragen zu Flugreisen im Forum gestellt, mit Uwe Nittel einige
Emails geschrieben, medizinisch noch mal durchchecken lassen, Anruf beim auswärtigen
Amt und alles Wichtige über die finnische Terrorgefahr geklärt,…. Naja und beim Reisebüro
erkennen sie mich wahrscheinlich inzwischen auch schon an der Stimme….. Also
nichts was jeder andere nicht genauso machen würde. Völlig überrascht hat mich dennoch
der Anruf von Finnair zwei Tage vor dem Abflug. Gut – ich geb´s zu – ich hatte auch
die angerufen und denen aufs Band gesprochen und sie riefen zurück….. Wollte nur wissen,
mit welchen Maschinen wir fliegen. Ich bin zu DDR-Zeiten mal mit einer „IL“ von der
„Interflug“ geflogen und das war ein Erlebnis, das ich bis heute zu verdrängen versuche.
Also schnell noch sicher gestellt, das Finnair keine Propeller-Maschinen mehr einsetzt, was
mich dann doch sehr erleichterte. Bloß gut, dass sie nicht nach meinem Körpergewicht
gefragt haben. Ich wäre ungern am Frachtterminal eingestiegen und wer weiss, ob
Finnair ausreichend dimensionierte Spanngurte für mich auf Lager gehabt hätte ?

War ich bis Donnerstag Morgen noch ziemlich cool drauf, stieg meine innere Anspannung
dann doch, als der Checkin erledigt war und ich im Flieger saß. Der Flug von Berlin
nach Helsinki erfolgte mit einer „Embraer 190“ ein kleinerer Jet neuerer Bauart mit etwa
100 Sitzplätzen. Wie sich herausstellen sollte, war der Flieger sehr leise. Dann der Start. Der
Kapitän hat die Angewohnheit bei schlechtem Wetter – es regnete in Berlin – mit der kleinen
Maschine sehr steil zu starten, damit er schnell hoch kommt, da so eine kleine
Maschine empfindlicher auf mögliche Turbulenzen reagiert. Dummerweise hat er das erst
in einer Flughöhe von ca. 6000m gesagt. Danke Herr Kapitän ! Das hat die ganze Sache
für einen Achterbahn-Allergiker wie mich doch gleich viel interessanter gemacht…..

Das war auch der Moment, in dem mir schlagartig durch den Kopf schoss, dass es eine
saublöde Idee war, mir vor ein paar Tagen noch „Stirb langsam 2“ zu Hause auf DVD an
zu sehen. Überraschend war für mich, das schon ab einer Flughöhe von nur 850m die
Sonne schien. Ich hatte für alle 4 Flüge einen Fensterplatz gebucht. Nach diesem ersten
Start habe ich meinen Wunsch hierzu bei der Ticketabnahme schon bereut. Berlin sieht
von oben, mit all dem Hin- und Hergeschlenker zum Einschwenken auf die Flugroute echt
zum Kotzen aus ! Erst als wir über den Wolken waren, nahm auch meine Gesichtsfarbe
wieder gefälligere Töne an. Der kalte Schweiss an meinen Händen verschwand und die
schmerzverzehrte Grimasse meines Sitznachbarn, den meine zu gehärtetem Stahl verwandelten
Finger in seinem Oberschenkel wohl beunruhigten, wich einem entspannten
Lächeln.

Etwa zwei Stunden später war ich in Helsinki,…. Hier waren es schon minus 12 Grad und es
lag viel Schnee. Die Landung war, anders als der Start, seidenweich. Dennoch empfing
mich Helsinki mit einem heftigen Schlag direkt in mein entspannt-fröhliches, rundes Gesicht…..
als ich von meinem Gate so zur Haupthalle schlendere und durch die großen
Fenster nach draußen blicke, was sehe ich da ?…… HORROR !!! Diese Säcke von Finnair
!! Da stehen doch tatsächlich gleich mal eben drei Propeller-Maschinen, die startklar
gemacht wurden….. ich ahnte schlimmes für meinen Inlandsflug nach Lappland. Wenn
ich von Berlin aus schon in so einem Mini-Jet daher kam, was wird mich wohl hoch an
den Polarkreis bringen ?!…
Entschuldigen Sie bitte,…. Ehm,…sorry,…where can I get back to Berlin ???

Gut,…. Anderthalb Stunden Aufenthalt in Finnlands Hauptstadt. Zu kurz für Sight-Seeing,
also habe ich das gemacht, was wohl jeder als erstes macht, wenn er nach Finnland
kommt und wonach mir schon seit Berlin zu mute war…. Erst mal nach einer Toilette gesucht.
Später bin ich dann noch durch die riesigen Dutyfree-Stores im Helsinki´er Flughafen
gewackelt. Kurze Zeit später ging dann noch ein Alarm in der großen Haupthalle
los. Ich versuchte mich unauffällig zu verhalten, bestand doch die wage Gefahr, dass
dies mit meiner kurz zuvor abgehaltenen „Sitzung“ auf der Herrentoilette im ersten Stock
in Zusammenhang stehen könnte….Bei undefinierbaren, übelriechenden Konsistenzen mit
nicht zweifelsfrei auflösbarer chemischer Zusammensetzung verstehen sie halt auch in
Finnland keinen Spaß mehr…. Aber sogleich kam die Entwarnung über Lautsprecher.
Erfreulicher weise bietet der Flughafen in Helsinki frei zugängliches WLan für alle Fluggäste
an. Ich bin auch erst drauf gekommen, als in der Lounge, wo ich entspannt auf meinen
Anschlussflug wartete, ein paar mandeläugige Teenager mit ihren Laptops „World of
Warcraft“ oder irgend eine andere Multiplayer-Prügelei zockten. Ich also mein Handy
rausgeholt und zum letzten Mal an diesem Wochenende im Forum gewesen. Da las ich
dann auch Siggis Anweisung, das Forum übers Wochenende nicht mehr zu besuchen
und mich zu entspannen. Schon Mami hat gesagt, „… immer machen was der Chef
sagt….!“ Also folgte ich brav Siggis Zwangssuspendierung und blendete das Forum einstweilen
komplett aus.

Dann begann das Boarding für meinen Flug nach Rovaniemi – dem Zielort meiner Reise.
Und hier gabs die nächste Überraschung. Die Maschine war ein Airbus 330 – so ziemlich
das größte was die Finnair in der Flotte hat. Knapp 300 Sitzplätze…und die Härte : gefühlt
die halbe Maschine voller Japaner. Die erkennst du sofort an dem Mundschutz, den sie
dauernd tragen. Das Ganze sah aus, wie ein fliegender Lehrgang von 120 OP-Schwestern
und Hobby-Chirurgen. Aber freundlich sind sie, das muss man denen lassen. Neben mir im
Flieger saß auch so einer. Da es ab der Hälfte des Fluges draußen schon dunkel war,
kamen wir irgendwann ins Gespräch. Der Bordfilm war auch nicht der Bringer. Irgend ne finnische Sketchserie. Naja – besser wie gar nix…. In der kleineren Maschine von Berlin aus
gabs gar keine Monitore. Da war ich mit meiner Angst allein !!
Egal…. Ich also mit dem Japaner ein bisschen gesabbelt. Ich kann euch sagen – Englisch
mit japanischen Akzent …. der Hammer…. Das ist wie Autofahren mit eckigen Rädern.
Das wir beide direkt in der Nähe des Triebwerks saßen, erschwerte die Verständigung zusätzlich.
Die Maschine war rappelvoll. Dafür das es – so meine Vermutung – nur in die Provinz ging,
eigentlich erstaunlich. Finnland ist etwa so groß wie Deutschland und hat aber nur 8 Mill.
Einwohner. Davon leben jedoch zirka 4,5 Millionen allein in Helsinki und am südlichen Küstenstreifen.
Dann konnte Rovaniemi doch nur Provinz sein, oder ? Falsch gedacht !!
Kannte ich Rovaniemi früher nur als Austragungsort der Arctic-Lappland-Rallye und von
einigen Biathlon-Übertragungen, so wurde ich in einem Artikel der Finnair-Boardzeitung
doch etwas besser informiert. Und auch mein japanischer Sitznachbar war schon öfter
hier. Rovaniemi ist sowas wie das finnische Oberhof oder Oberwiesental. Knapp 70.000
Einwohner und damit für finnische Verhältnisse schon etwas größeres. Direkt am Polarkreis
gelegen.

In Rovaniemi gelandet, wurden wir – ich war ja nicht der einzige Teilnehmer des geplanten
Events – direkt in der Empfangshalle von Uwe Nittel und seinem Team begrüßt und in
Empfang genommen. Zeit für ein kurzes Hallo und für erste Eindrücke. Beim schnellen
Wechsel in den Bus bekamen wir einen Ausblick auf die kommenden Tage : Schneehöhen,
wie ich sie in Deutschland noch nie gesehen habe und minus 18 Grad – für´s erste !
Sogleich gings zum Hotel „Santa Clause“ – einem 4–Sterne-Palast im Zentrum der lappländischen
Hauptstadt. Überhaupt lebt der Ort von seinem touristischen Selbstzweck als
„Heimat des Weihnachtsmannes“. Keine Straßenecke, an der einem der weissbärtige
Dicke nicht begegnet.
Sehr bald nach dem Einchecken im Hotel gab es dann schon Abendbrot und die ersten
Kennenlerngespräche mit den anderen Teilnehmern. Wie sich herausstellte war es eine
bunte Truppe aus Autozeitungs-Redakteuren, Reifen-Unternehmern, Versicherungsvertretern
und auch ein paar Gewinnern. Zwei hatten die Teilnahme in einer Autozeitung gewonnen,
ein anderer bei Facebook über einen der Sponsoren der Aktion. Ich war ja auf
Einladung von Mitsubishi Motors Deutschland und Uwe Nittel, dem Veranstalter, dabei.
Wenn man so will, also auch ein Gewinner.

Bereits am ersten Abend saß ich mit Uwe Nittel gemeinsam am Tisch. Zwar kannten wir
zwei uns schon flüchtig von früheren Begegnungen, Telefonaten und Emails, aber es war
das erste Mal, dass der Uwe mich über längere Zeit ertragen musste…..
Neben Gesprächen mit Uwe ergaben sich auch erste Kontakte zu anderen Teilnehmern
mit zum Teil sehr interessanten Themen. Überhaupt, denke ich, waren vor allem auch diese
Kontakte, die sich über das ganze Wochenende ergaben, eine ungemein wertvolle
Erfahrung. Zu jeder sich bietenden Gelegenheit wurden Visitenkarten ausgetauscht und
es wurden sehr viele Fragen zu unserem Forum gestellt. Der Großteil davon zeugte von
echtem Interesse. Da wurde nicht nur oberflächlich an der Außenschicht gekratzt – ich
muss sagen, dass ich sehr erstaunt war, wie detailliert teilweise Informationen abgefragt
wurden. Und gern war ich bereit, alles Interessante über unsere Plattform zu erzählen. Ich
hoffe, dass mir das gelungen ist und somit vielleicht auch ein weitergehendes Interesse
geweckt wurde.

Am nächsten Morgen starteten wir dann zu unserem ersten Trainingstag. Nach dem
Frühstück um 8.15 Uhr gings los. Wir fuhren etwa eine Stunde mit dem Bus noch etwas
weiter nach Lappland hinein, deutlich hinter den Polarkreis. Die Vorab-Einweisung mit Sicherheitshinweisen gab es noch am Anreisetag mit einer nützlichen Präsentation direkt
vom Rallyeprofi. Inklusive Einkleidung mit Sponsoren-Bekleidung dauerte das grade mal
45min. So konnte, am Rallyezentrum angekommen, auch sofort losgelegt werden. Von
den Testfahrern der Autozeitungen, die dabei waren, war zu hören, dass dies das Besondere
an Uwe Nittels Training sei. Beim Uwe konzentriert man sich auf die wesentlichen
Dinge. Auch das Auto, der Mitsubishi Lancer Evolution X, wurde nur kurz vorgestellt und
dann sollten wir auch schon losfahren. Wie sagte der Uwe so schön : „Dasch Auto
brauche isch eusch ned vorstelle…. desch macht desch Auto von ganz allahn ! Nach
dehne Training, verspresch isch eusch, seid ihr zu 99 % davon infiziert !“

Also rein in die Autos…. Wir waren 19 Teilnehmer und es gab 11 Evo´s. Theoretisch immer
zwei Mann in einem Auto. Da wurde nicht lange gefackelt – es ging sofort zur Sache.
Gleich auf den ersten Schneekurs – was leichtes zum kennenlernen. Ich hatte derart viel
Respekt vor dem Wagen, dass ich meinen Co – es war der Facebook-Gewinner, ein
Student aus Dresden – erst mal fahren ließ. Doch nach 2-3 Runden auf dem Aufwärmkurs
kam es dann zu meinen ersten gefahrenen Metern in einem Lancer Evo. Irgendwo schon
witzig – da muss ich erst in den finnischen Norden reisen, um mal einen Evo fahren zu dürfen.
Ich bin derart behutsam vorgegangen, dass der Wagen sich gewundert haben
muss, was da für eine Schlaftablette am Lenkrad sitzt. Bei den anderen flogen nur so die
Schneefontänen – schon beim Antesten ….. So richtig bewusst wurde mir das am zweiten
Tag, als ich für Foto- und Videoaufnahmen auch mal im Wagen der anderen Teams mitfuhr.
Wie die ihre Evos durch die Strecken fuhren, da wurde mir klar, wie zahm ich doch
eigentlich bin. Ich hab mir schon fast in die Hosen gemacht, wenn wir mal die Schneebänke
am Rand gestreift haben. Was jetzt so klingt, als hätte unser Team keinen Spaß
gehabt, wäre eine glatte Lüge. Wir waren nur behutsamer, aber deswegen gings auch
bei uns ordentlich quer durch die Kurven.

Zum Warmwerden waren die Schneekanäle ideal. Hier konnte man sich langsam an den
Wagen gewöhnen. Das dauerte den ganzen Vormittag, wobei es immer wieder zu Mitfahrten
von Uwe oder den anderen Instruktoren – Herr Ebener ( Petzi ) und Herrn
Danzinger ( betreute vorrangig die englischsprachigen Teilnehmer ) – kam. Dabei wurden
immer wieder mal nützliche Tipps gegeben. Bereits am Nachmittag hatten alle Teilnehmer
solche Fortschritte gemacht, das wir nun den nächsten Schritt gingen und von nun
an auf blankem Eis fuhren. Das Fahrverhalten war erstaunlicher Weise noch viel direkter
und machte noch mehr Spaß, als zuvor auf dem Schnee. Das einzige worüber man nicht
nachdenken durfte, war, dass wir hier ja auf zugefrorenen Seen fuhren. Und das die Eisdicke
nur 55 cm betrug. Das ist in der Relation zu 11-15 Fahrzeugen mit jeweils mindestens
1,5 Tonnen Gewicht plötzlich gar nicht mehr so vertrauenerweckend. Erst recht, weil wir ja
zumindest auf den Strecken mit jeder Runde und mit jedem Drift durch die Spikes in den
Reifen mehr und mehr von dem Eis abtrugen. Aber das musste man eben verdrängen.
Hier gings um den Spaß und der Uwe macht das schon seit Jahren erfolgreich mit seinem
Team. Da muss man nicht alles in Frage stellen – also Kopf frei machen und das Fahren
mit allen Sinnen genießen.

Als sehr angenehm empfand ich die kleinen Pausen in denen wir immer wieder in das
Rallyezentrum zurückkehrten. Zum runterkommen, wie Uwe Nittel immer wieder meinte.
Ich denke er weiss wovon erspricht, denn eine Stunde im Evo auf dem Eis, ist Adrenalin
pur – undosiert…..Ich lag abends im Bett und schrieb SMS an Familie und Freunde und
bekam im Bett liegend einen Schlenker, der deutlich macht, wie viel Zeit der Körper
doch brauchte, um von den tagsüber ausgetesteten Grenzbereichen wieder in den
Ruhemodus zurück zu finden. Und das das Ganze auch eine Belastung für den Körper ist, wird in der Tatsache deutlich, das mehr als die Hälfte der Teilnehmer des Trainings auf der
Busrückfahrt zum Hotel einschlief. Da war es nicht mal 17 Uhr. Wir waren alle fertig !
Ich hätte auch schlafen können, aber ich sagte mir – „….du bist so schnell nicht wieder in
Finnland, also schau dir das Land an und penn hier nicht einfach ein !“
Zurück in Rovaniemi nahm ich eine erfrischende Dusche und ging danach auf Fototour
durchs Stadtzentrum. Zum Abendessen fanden wir uns alle in einem typisch lappländischen
Restaurant ein.

Der nächste Tag begann, wie der letzte aufhörte. Zunächst zum Warmwerden wieder die
leichten Schneekurse und dann kamen diesmal die sehr schnellen, langen Strecken dran.
Sind wir tags zuvor meist mit 40-60 km/h in die Kurven gegangen, waren auf den flüssigen
schnellen Kursen nun 80-100 km/h angesagt. Und wir reden hier nicht von einer klinisch
reinen Asphaltstraße im Juli sondern von Schnee und Eis. Die höhere Geschwindigkeit war
gekennzeichnet durch höhere Belastungen. Man konnte das sofort spüren. Mir persönlich
waren die engen Kurse lieber. Ich hab den Wagen auf den schnellen und rasanteren
Strecken zwei mal in die Schneebänke gesetzt, kam aber von selbst wieder frei. Die anderen
fuhren teilweise tiefer rein und mussten von den Pajeros freigeschleppt werden.
Das und der Umstand, dass am zweiten Tag mit strahlendem Sonnenschein einfach geiles
Wetter herrschte, veranlasste mich dazu, weniger zu fahren und mehr Fotos zu machen.
Dem Uwe ist das auch aufgefallen, aber ich versicherte ihm, dass für mich auch das Fotografieren
in Finnland ein Mordsspaß und ein Highlight sind. Als es dann am Nachmittag
wieder auf die engeren Eis-Strecken ging, die mir persönlich mehr Spaß machten, fuhr ich
auch wieder häufiger.
Am Abend des zweiten Trainingstages überraschte uns das Team um Uwe dann noch mit
etwas ganz besonderem. Nicht nur, das wir nun auch in der Dunkelheit fahren sollten.
Nein – es sollte eine richtige Rallye unter uns ausgefahren werden. Ein 9km-Kurs übers Eis.
Ein echter Aufschrieb mit allem was dazugehört. Einer fuhr – der andere musste ansagen.
Wer schon mal in unserem MFF-Rallyesimulator saß oder bei Fernsehübertragungen von
Rallyes zugesehen hat, weiss was jetzt kam. Jeder bekam zwei Trainingsrunden. Und dann
wurde auf einer Runde die Zeit genommen. Allein das Feeling im Dunkeln zu fahren, war
ein ganz anderes als bei Tageslicht. Ich bin von 19 Teilnehmern am Ende 12ter geworden.
Mein Co war vor mir dran und hatte in seiner schnellen Runde den Wagen in der Schneebank
eingegraben. Wir mussten das erste Mal an diesem Wochenende frei geschleppt
werden. Meine Zeit war nur 4 Sekunden von den Top Ten und etwas weniger als 20
Sekunden vom ersten Platz entfernt. Ich muss – und das soll jetzt keine Ausrede sein – aber
zugeben, dass ich eingeschüchtert vom missglückten Fahrmanöver meines Co, wohl
doch wieder zu viel Respekt hatte und lieber auf Ankommen fuhr. In den Trainingsrunden
und tagsüber war ich wesentlich risikobereiter und so wäre auch bei der Zeitnahme mehr
drin gewesen. Aber das Erlebnis allein entschädigt für alles. Mich juckt es jedenfalls wenig,
welchen Platz ich belegt habe. Mit der Teilnahme an dieser Rallye, auch wenn sie nur
improvisiert war, ist ein Traum in Erfüllung gegangen.
Doch damit war noch nicht Schluss mit den Überraschungen. Zunächst holte uns Uwe –
jetzt da wir uns alle als die größten und besten Rallyefahrer Finnlands fühlten – ziemlich
rasant wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, indem der Uwe uns allen sogenannte
„Taxi-Fahrten“ anbot. Das hieß, das wir auf einer abgesteckten Waldstrecke für 4,5km als
Copilot bei Uwe Nittel im Evo Platz nehmen durften. Was da dann abging, war aller erste
Sahne. Ich bin schon bei einigen Rallyefahrern mitgefahren, aber was der Uwe auf diesen
knapp 5 km gezeigt hat, war der Hammer. Sowas muss man erlebt haben – mit allen
Sinnen ! Der Umstand, dass es nachts war, ließ zumindest für mich die Eindrücke noch intensiver
wirken. Wir sind da mit 140-160 durch den verschneiten Wald gebrettert. Enge
verschneite Kurven, Sprungkuppen, Eiskanäle….. Nach knapp 2 Minuten war alles vorbei.
In mir schrie alles : Nochmal !!!

Vielleicht war es Uwes Art, uns wieder runter zu holen – uns deutlich zu machen, dass trotz
der Trainingstage auf dem Eis keine Rallyehelden aus uns geworden sind. Ich empfand
das als eine sehr sympathische Art uns zu sagen : „Jungs,… gansch logger ! – ….
eigetlüsch könnet ihr da-hanne noch gar nüscht, also übertreibets ned !“
Wenn man das auf eine möglichst wirksame und ebenso wenig verletzende Art machen
will, dann hat der Uwe dafür die beste Lösung gefunden.
Nach der Siegerehrung und ausgedehnten Nachtaufnahmen sowie einem gemeinsamen
Abendessen gings zurück ins Hotel. Dort angekommen war es nun schon zehn Uhr
abends, was die meisten von uns veranlasste, nach diesem anstrengenden Tag das eigene
Zimmer anzusteuern. Ein wohltuendes, entspannendes, warmes Bad, denn der Tag
war durchgehend im zweistelligen Minusbereich – und dann ab ins Bett.

Der letzte Tag in Rovaniemi brachte zwar keine Trainingsrunden auf dem Evo mehr, dafür
aber eine Snowmobil-Safari und den Besuch des Weihnachtsdorfes etwas außerhalb der
Stadt. Auch das Fahren eines Schneemobils, eine Art Ketten-Motorrad, war für mich eine
Premiere. Sowas bin ich zuvor noch nie gefahren. Und ich muss sagen, auf den ersten
Metern habe ich es gehasst ! Ich hatte ständig Schiss mit dem Teil umzukippen. Eigentlich
Blödsinn, weil das physikalisch nur schwer möglich ist. Eigenartiger weise stellte ich jedoch
fest, dass sich die Fahreigenschaften des Teils mit zunehmender Geschwindigkeit verbesserten.
Die anfangs bemerkte Instabilität und die Unsicherheiten meinerseits wichen mit
zunehmender Geschwindigkeit immer mehr einem sich sehr schnell Bahn brechenden
Fahrspaß. Wir waren knappe zwei Stunden mit den Dingern unterwegs und auch das war
ein Erlebnis, das ich nicht missen möchte. Safari ist zwar etwas viel gesagt, weil wilde Tiere
siehst du nicht viele, wenn du mit diesen Krachmachern durch die Wälder heizt, aber
Spaß hats trotzdem ohne Ende gemacht.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen wurden wir von Uwe und seiner Crew noch zum
Flughafen gebracht und dann gings zurück nach Helsinki. Hier nahmen wir dann auch
einzeln Abschied voneinander – teilweise mit dem Versprechen in Kontakt zu bleiben.
So ein gemeinsames Erlebnis verbindet dann doch irgendwo ein bisschen. Spätestens
nach den beiden Flügen nach Hause war ich nun regelrechter Flug-Fan. Das lag zum Teil
auch daran, das wir auf dem Heimflug Sonnenschein und damit keine Wolkendecke
hatten. So gab es aus der Luft noch mal das ganze Finnland und Teile Polens zu sehen.
Ehe wir nach Deutschland kamen, zog sich die Wolkendecke wieder zu und so hatte ich
von Mecklenburg und Brandenburg nicht viel zu sehen.

Als ich zu Hause ankam empfingen mich mein Dackel mit wedelndem Schwanz und
mein Galant mit wedelnder Dachantenne ! Ach, was haben die beiden sich gefreut,
dass Papi wieder da ist.
Etwas wehmütig lag ich Abends im Bett, als ich mein Handy mit dem eigenen Wlan
verbinden wollte und das Netzwerk vom Helsinki-Airport noch abgespeichert war….. Da
wurde mir klar : Auch wenn Finnland ein recht teures Land ist, aber ich war ganz sicher
nicht das letzte Mal dort. Wahrscheinlich werde ich nie wieder Gelegenheit haben, an so
einem tollen Wochenende beim Uwe Nittel teilzunehmen. Ich muss offen zugeben, dass
dies für meine Verhältnisse schlicht unerschwinglich ist. Aber vielleicht besuche ich irgendwann
mal wieder Finnland aus anderen Gründen. Ich bin von diesem Land fasziniert…..
diese endlosen Weiten, 40….50…. 60 Kilometer keine Ortschaften – einzelne Gehöfte mal
hier oder dort im Wald, aber ansonsten eine herrliche Landschaft von roher Schönheit
und noch nicht durchsetzt und zerstört von Menschenhand. Einfach atemberaubend !

An dieser Stelle geht mein besonderer Dank an Uwe Nittel und seine Crew für das herrliche
und sicher auch unvergessliche Erlebnis. Das war etwas, dass ich lange wie einen
Schatz in meinen Erinnerungen behalten werde. Danke auch an die Firma Kumho Tyres,
die durch einen beachtlichen Support und ein beispielhaftes Sponsoring diese Trainings
überhaupt möglich macht. Um so mehr, da ich nur Gast war und kaum Selbstkosten hatte,
weiß ich dieses Engagement, dessen Nutznießer auch ich an diesem Wochenende
war, sehr zu schätzen. Und nicht zuletzt auch Danke an Mitsubishi Motors für die tollen
Autos und die Möglichkeit, die speziell mir gegeben wurde, dieses Wochenende miterleben
zu dürfen. Ich kann vielleicht so einen Bericht darüber schreiben, aber ich bin nicht
ansatzweise in der Lage in Worte zu fassen, wie dankbar euch für diese Erfahrung bin.

Im Ganzen sind an diesem Wochenende knapp 3.000 Bilder und etwa 45 kleine Videos
entstanden. Inzwischen bin ich auch schon wieder mit meinem Galant gefahren, 144 PS,
180 Newtonmeter…. auf schneefreien, asphaltierten, deutschen Straßen….. – ….. wie
langweilig !


Vielen Dank an K . aus dem Mitsubishi Fan Forum für diesen tollen Bericht und die Erlaubnis Text, Video und Bilder hier zur Verfügung zu stellen.


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