Fahrsicherheitstraining Sachsenring

Hier geht es um die erste Stufe des Fahrsicherheitstrainings auf dem Sachsenring. Diese Stufe ist Voraussetzung für die Teilnahme an den weiterführenden Seminaren.

Weil es schon oft angesprochen wurde und ich mittlerweile zum dritten mal dabei war (einmal selber, zweimal in Begleitung) (spätere Anmerkung: 2011 bereits das 4. mal…da dann auch das Perfektionstraining. Bericht folgt irgendwann) dachte ich mir, für alle Interessierten mache ich einen schönen Bericht.

Früh gegen um 10 ging es los. Man bestellte sein Essen fürs Mittag und wartet auf den Beginn der Theorie.
In der Theorie wurden dann alle Teilnehmer im Seminarraum kurz vorgestellt. Man lernte die Trainer kenne und berichtete von eigenen Erlebnissen und schaute sich die Theorie an. Wie reagiert man wohl beim Bremsen, was ist ABS usw. Dauert ca. 45min.

Danach geht es in Gruppen von 8-10 Fahrzeugen raus auf den Sachsenring. Der genaue Ablauf der einzelnen Stationen kann dabei Variieren. An diesem Tag waren 6 Gruppen parallel dabei. Und nicht jede Station ist 6 mal vorhanden.

Als erstes ging es auf den Slalom. Hier sollte man mit einer angepassten Geschwindigkeit um die Hütchen fahren. Es ging dabei nicht um Tempo oder eine gute Linie, sondern einzig und allein um die Lenkbewegung und die Position der Hände. Vor allem die Beifahrer sollten darauf achten, wie die Fahrer am Lenkrad kurbeln und wo sie überall hinfassen bei der Fahrt.

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Danach wurde über die richtige Lenkradhaltung, Sitzpositition und Gurtposition diskutiert und an einem praktischen Beispiel (Teilnehmer) wurde gezeigt, wie man zu sitzen hat. Man hat gesehen, dass auch Sportsitze (in diesem Falle Focus ST) seine Nachteile haben kann, wenn man falsch sitzt. Besonders bei harten Bremsungen läuft man bei Sportsitzen mit großer Oberschenkelstütze Gefahr, sich auszuhebeln und mit dem Nacken über die Kopfstütze zu rutschen.

Dann ging es zur ersten Bremsübung. Sie sollte verdeutlichen wie sich unterschiedliche Beläge auswirken und die Teilnehmer sollten das richtige Bremsen üben. Viele „streichelten“ ihr Bremspedal nur, was zu einem verlängerten Bremsweg führte. Die wenigsten sind beim erstenmal auf die Bremse gesprungen, wie sie es sollten. Nach einer Weile bekam man aber Übung darin und auch zaghafte Autofahrerinnen lernten, dass nichts passiert wenn man richtig in die Bremsen steigt.

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Weiter ging es zu eben jener Gefahrenbremsung mit Ausweichen. Man sollte mit ca 40-50 km/h auf eine rutschige Bahn fahren (schont die Reifen, simuliert auch höhere Geschwindigkeit auf griffigen Asphalt) und dort voll bremsend einem Hindernis ausweichen. Gerade ABS macht dies zu einer zu bewältigenden Übung. Dennoch merkt man, wie das Auto reagiert und das man es nicht immer schafft auszuweichen. Vielleicht weil man zu spät oder zu heftig lenkt.

Hier wurden mehrere Durchgänge gefahren und man konnte vor allem verschiedene Geschwindigkeiten testen. Schon 5 km/h konnten den Ausschlag geben ob man es schafft oder sich ein Stück Auto zerschießt.

Jetzt war es auch schon Zeit fürs Mittagessen. Viele Teilnehmer kamen hier miteinander ins Gespräch. Man hat gelacht und sich über das bisher erlebte unterhalten.
Nachdem der Magen gut gefüllt war ging es zur Verdauung nochmal 30 min in die Theorie. Es wurde über Reifen geredet und sich darüber unterhalten, wie wichtig eigentlich die paar Zentimeter Gummi unter dem Auto sind. Woran erkennt man einen schlechten Reifen (DOT Nummer, Profiltiefe etc). Besonders informativ für technisch nicht so stark bewanderte Leute. Jeder Teilnehmer hat danach erstmal seine Reifen gecheckt. Dieses Jahr waren alle auf guten Reifen unterwegs, beim letzten Training hatten wir z.B. einen Ford KA dessen Reifen zwar noch sehr gutes Profil hatten…aber wo die Reifen auch 8 Jahre alt waren…viel Abrieb ist da nicht mehr passiert. Auch ein A4 mit vorne guten und hinten schlechten Reifen war schon dabei…das Ergebnis waren permanente Dreher im Kreisel trotz ESP.

Nun sollte es eigentlich auf die Rüttelplatte gehen. Doch hier eine schlechte Nachricht. Über Mittag war die Hydraulik ausgefallen. Es wurde also nichts mit dieser. Dennoch will ich euch den Punkt nicht vorenthalten und kann zum Glück auf Fotos vom letzten Training zurückgreifen (Nachtrag: und vom Training 2011 –> Honda).
Man rollt mit ca. 40 km/h über eine Platte, welche dann einen kurzen Stoß nach links oder rechts auf die Hinterachse gibt. Man muss versuchen einfach durch Gegenlenken das Auto abzufangen. Der Untergrund ist wieder Nass. Es ist alles andere als einfach und es schafft eigentlich niemand sein Auto immer und sofort wieder unter Kontrolle zu bringen. ESP macht die Übung zwar sehr viel einfacher, aber ein Dreher kann dennoch passieren. Auch wenn sich 40 km/h nicht schnell anhört…der Schlag hinten drauf ist trotzdem ordentlich.
Hier zu sehen: Video 2007 mit Colt CJ0 & 2011 Kumpel mit seinem Honda. Mit dem Z30 war 2011 die Rüttelplatte, dank ESP, kein Problem. Leider ist das ESP im Z30 nicht abstellbar. Bild von 2009 mit Skoda Fabia.


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Stattdessen hat der Sachsenring aber gute Alternativen geboten. Vor allem weil die Rüttelplatte auch nochmal im Perfektionstraining 1 (2011 absolviert) dabei ist (das hier war das Intensivtraining) welches auf dem Intensivtraining aufbaut. Stattdessen konnten die Teilnehmer den Überschlagssimulator kostenlos ausprobieren und eine Übung vom Perfektionstraining 1 mitnehmen. Dazu später mehr.

Ersteinmal ging es zum Überschlag. Wie komme ich aus einem Auto raus, welches auf dem Dach liegt. Ruhe bewahren, wenn möglich der Beifahrer zuerst (aus Platzgründen) und auf jeden Fall den Hals stützen, damit man sich nicht das Genick bricht. Gar nicht so einfach, wie es sich anhört…vor allem wenn einen das Blut in den Kopf schießt.

Weiter ging es dann zu einer weiteren Bremsenübung. Auch hier musste man (diesmal bergab) einem plötzlich auftauchenden Hindernis ausweichen. Man sah das Hindernis erst hinter der Hügelkuppe und man sollte nur ausweichen wenn es wirklich da war. Außerdem sollte man die Geschwindigkeit variieren. Und man merkte wieder schnell…bei zu hohem Tempo oder überhasteten Lenkbewegungen traf man das Hindernis fast immer. Nur mit Besonnenheit und einem der Sicht angemessenen Tempo hatte man eine Chance.

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Nun ging es zur Ersatzübung für die Rüttelplatte. Das Ziel war es 1.) einem Hinderniss bei höherem Tempo auszuweichen und 2.) die Grenzen seines Autos kennen zu lernen. man durfte also gerne mal etwas mehr Gas geben und heftiger Lenken um zu schauen: „Was passiert denn da wenn ich es falsch mache„. Schließlich war da genug Freiraum, dass das Auto auch gefahrlos schleudern konnte.

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Hierbei machte sich bei allen Autos das ESP bemerktbar. Selbst bei 70 oder 80 km/h kamen die Autos kaum ins schleudern und waren spielend wieder abzufangen. Beim Colt hat es Franzi nur einmal geschafft es richtig zu provozieren mit einer heftigen Lenkbewegung bei 90 km/h. Allerdings wäre das schleudern mit einer kurzen Bremsung wohl nicht so gekommen…aber man wollte ja mal ausprobieren was ist wenn. Und man merkte auch, dass eine Schlenker vom Hintern bei 90 km/h schon etwas heftiger ist als bei 40-50 km/h. Man kann erahnen, was dann bei 130 km/h oder gar über 200 km/h passiert.

Zum Schluss des Tages ging es dann noch auf den Kreisel. Das ist eine wunderbar rutschige Piste, auf der sich jeder mal ausprobieren konnte. Man konnte schauen, was passiert wenn man in einer Kurve rutscht und dann bremst, was passiert wenn man die Handbremse zieht, ruckartig lenkt oder mal richtig Gas gibt. Sehr interessant und ein schöner Abschluss für einen wunderschönen Tag am Sachsenring.

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Moment! Ein Highlight gab es dann doch noch. Nachdem die Rennstrecke wieder frei von Motorrädern war, durfte man nochmal eine Runde den Sachsenring besichtigen. Es ging in Kolonne mit gediegenen Tempo und den interessanten Erzählungen des Trainers (via Walki Talki) über den Ring. Nichts spektakuläres, aber doch mal interessant für die Meisten über eine Rennstrecke zu fahren.

Am Schluss erhielt jeder noch ein Zertifikat und man verabschiedete sich.

Ich kann jedem nur empfehlen die 140€ (Intensivtraining) zu nehmen und ein Fahrsicherheitstraining zu machen. Es lohnt sich und was man dort lernt und ausprobieren darf, ist im Notfall auf der Straße unbezahlbar.

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